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des AK Ideologiekritik (Freiburg):
In gesellschaftskritischer Theorie wird der Begriff der Ideologie
traditionell als wichtigste Vermittlungsinstanz zwischen Subjekt und
Gesellschaft, zwischen Mensch und materiellen Verhältnissen gehandelt.
In der Kritischen Theorie und in der Marx’schen Kritik der politischen
Ökonomie spielt er eine prominente Rolle, auch für einen
psychoanalytischen Zugang zum Subjekt lässt sich der Ideologiebegriff
in Stellung bringen. Von Ideologie zu sprechen impliziert, dass es
eine Möglichkeit gebe zur Unterscheidung zwischen einem falschen
Schein und einer tatsächlichen Wahrheit über die gesellschaftlichen
Verhältnisse. Demgegenüber wird in einem Denken, das sich an
poststrukturalistischen Ansätzen orientiert, diese Unterscheidung und
in der Folge der Begriff der Ideologie tendentiell abgelehnt.

Die Vorlesungsreihe will an diese Debatte anknüpfen und in insgesamt
sechs Sitzungen der Angemessenheit des Ideologiebegriffes für eine
zeitgemäße Gesellschaftskritik nachgehen. Dabei soll nach einer
historisch-kritischen Einführung zunächst das Subjekt in den Blick
genommen werden. Ideologiekritische Ansätze heben in jüngeren Arbeiten
häufig den Fetischbegriff in eine zentrale Stellung, weshalb wir
dessen Relevanz in einer weiteren Sitzung erörtern wollen. Darauf
folgend wird die Debatte zwischen ideologiekritischen und
poststrukturalistischen Ausgangspunkten über zwei Veranstaltungen
hinweg geführt, wobei sowohl die eventuell produktive Verbindung als
auch die möglichen Gründe für eine dezidierte Kritik an postmoderner
Theoriebildung diskutiert werden. In einer Abschlusssitzung soll das
Verhältnis von Moral und Gesellschaftskritik und damit die Frage nach
sinnvollen Haltungen gegenüber wirkmächtiger Ideologie in den Blick
genommen werden.

Wieso Ideologiekritik? Im Rahmen einer Kritischen Theorie wurden
Elemente eines Denkens hervorgebracht, das gerade weil die Welt so
offensichtlich falsch eingerichtet ist, festhält an der
Überwindbarkeit dieser Verhältnisse. Ein Denken also, das in erster
Linie gegen die falschen Zustände und ihre ideologische Verklärung
sich richtet und sich von der scheinbaren Unmöglichkeit einer anderen
Einrichtung von Gesellschaft zwar irritieren, doch nicht bremsen
lassen will. In Zeiten, in der die tatsächliche Reorganisation der
Gesellschaft nur als ferner Fluchtpunkt erscheinen kann, ist die
Ideologiekritik notwendige Bedingung für Praxis und Ausdruck der
Hoffnung, dass, wenn die Menschen ihre Verhältnisse einmal besser
verstehen, sie vielleicht auch ihre Abschaffung sich vorstellen
wollen.
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